Büste Europolis Logo für das Unternehmen Europolis

 
     
       
...................................................................................
Der Kampf um den Lissabon Vertrag
....................................................................................
Souveränität und Konkurs
 

Rezension

Auch wer über den Ausnahmezustand entscheidet, ist nicht länger souverän.

Anmerkungen zu Dieter Grimm: Souveränität, Herkunft und Zukunft eines Schlüsselbegriffs, Berlin 2009

Von Markus C. Kerber[1]

Wie Dieter Grimm ausführt, haben Veröffentlichungen zum Souveränitätsbegriff in Zeiten der Krise eine besonders günstige Konjunktur. Indessen fügt sich das Grimmsche Essay nicht in die Auswahl jener Werke, die seit der Wende 1989/90 erschienen sind.[2] Vielmehr steht der Text - wohl aus praktischen Gründen – im Zusammenhang mit einem Beitrag für den in Paris erscheinenden Traité International sowie der Würdigung des Lissabon-Urteils des Bundesverfassungsgerichts in der Zeitschrift Der Staat. Wahrscheinlich ist es die Auseinandersetzung mit dem vom Bundesverfassungsgericht im Interesse demokratischer Herrschaft herangezogenen Souveränitätsbegriff, der Grimm veranlasst hat, die Grundlegung bei Bodin über Souveränität im Verfassungsstaat nachzuzeichnen und auf die äußere Souveränität, insbesondere in ihrer Rückwirkung auf die innere Souveränität im 20. Jahrhundert abzustellen. Dies gelingt Grimm mit der bei ihm üblichen souveränen Beherrschung der Materie. Grimm vermag es nach zahlreichen verfassungstheoretischen Veröffentlichungen[3]  die bahnbrechende Entwicklung des Souveränitätsbegriffs bei Bodin treffend nachzuzeichnen, um sich dann den Kernproblemen der Souveränität im Verfassungsstaat zu stellen.

Erhellend sind Grimms Deutungen des Souveränitätsbegriffs in der heutigen Zeit. Er untersucht zunächst, ob angesichts der Relativierung des Raumbegriffs von Souveränität überhaupt noch ein Erklärungswert ausgeht. Nachdem er die unterschiedlichen Meinungen, die hierzu vertreten worden sind, angeführt hat, schließt er auf die relative Anpassungsfähigkeit des Begriffs unter veränderten Bedingungen. Indes gäbe es keinen Zwang, an ihm festzuhalten, um Anarchie zu vermeiden. Wieso indessen Demokratie in besonderem Maße auf das Selbstbestimmungsrecht der Staaten angewiesen sei (S. 123), ist nicht recht nachvollziehbar.

Demokratien sind Herrschaftsformen, die das Selbstbestimmungsrecht des souveränen Volkes realisieren. Dass diese Realisierung von Selbstbestimmung auf staatliche Organisationsformen angewiesen ist, dürfte nicht zur Entstehung eines Selbstbestimmungsrechts der Staaten führen. Der Staat ist Mittel, nicht Zweck; er dient zur Realisierung des Selbstbestimmungsrechts eines Volkes. Bei der Frage nach dem Erkenntniswert des Souveränitätsbegriffs, insbesondere im Zusammenhang mit der Diskussion über offene Staatlichkeit, wirft Grimm zahlreiche interessante Fragestellungen auf, ohne die Problematik abschließend zu beantworten. Vielleicht will er dies auch gar nicht, zumal die essayistische Bearbeitung eine verkürzte, zugespitzte, ggf. fragmentarische Abhandlung zulässt bzw. geradezu nahe legt. Indes hätte er sich fragen können, ob es einen Kernbereich verbliebener Souveränität, also unableitbarer Herrschaftsmacht in den Händen von Staaten und Völkern überhaupt noch gibt. In einer Welt großer Interdependenz führt nicht einmal die Befugnis, unableitbare Herrschaft in verbliebenen Kernbereichen auszuführen, dazu, dass dieses Potential realiter auch besteht. Das ius belli


[1] Prof. Dr. iur. Markus C. Kerber, TU Berlin, Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht.

[2] Vgl. hierzu die Auswahl an Werken, die Grimm in Fußnote 157 gibt.

[3] z. B. Die Zukunft der Verfassung.

Bisherige Rezensionen

NOON MOON
Le mercredi des Cendres

Percy Kemp

Recension par Margot Meunier
>>> PDF

____________________________________________________________________

Der Staat - Zeitschrift für Staatslehre und Verfassungsgeschichte –deutsches und europäisches öffentliches Recht, 48. Band 2009 Heft 4

Von Markus C. Kerber

>>> PDF-Version

________________________________________________________________

Recensions Franco-Allemandes

Une année étrangère, Brigitte Giraud
Recension par Margot Meunier

>>> Version PDF

Les états d'âmes que l'on peut ressentir loin de chez soi et de sa langue maternelle sont complexes et révèlent souvent de nouveaux aspects de sa propre personnalité. Partagé entre le mal du pays, le manque de pratique de cette nouvelle langue à laquelle il faut faire face quotidiennement mais aussi une envie d'apprendre et la curiosité de découvrir une culture inconnue, aucun expatrié ne peut échapper à ces remises en questions. Brigitte Giraud aborde ce thème dans son nouveau roman Une année étrangère et décrit avec beaucoup de réalisme les sentiments contradictoires que Laura, française de 17 ans installée comme jeune fille au pair dans une famille atypique de l'Allemagne de l'Ouest, éprouve en tant qu'adolescente à la frontière entre deux mondes, celui des enfants et celui des adultes, en « exil volontaire » >>> Lire la suite

________________________________________________________________

L'autoportrait bleu, Noémi Lefebvre

Recension par Margot Meunier

>>>Version PDF

Le temps d'un vol Paris-Berlin, la narratrice du premier roman de Noémi Lefebvre, L’autoportrait bleuse remémore en un unique monologue intérieur son séjour berlinois et ses occasions ratées de concrétiser une histoire d’amour avec un pianiste. >>> Lire la suite

________________________________________________________________

Das Ende der Anreize? oder: Die Wiederentdeckung des Politischen durch die Ökonomie

Stefan Bayer und Klaus W. Zimmermann (Hg.)

Rezension zu, „Die Ordnung von Reformen und die Reform von Ordnungen: Facetten politischer Ökonomie“, Metropolis Verlag, Marburg 2008

Von Markus C. Kerber

>>> PDF-Datei

___________________________________________________________________

 

„In gewisser Weise war ich ihn verliebt“
John Maynard Keynes  über Krieg und Frieden sowie über Freund und Feind
Von Markus C. Kerber
>>> PDF-Datei

________________________________________________________________

Rezension von Markus C. Kerber

"Marktöffnung in der leitungsgebundenen Trinkwasserversorgung"Jens-Olaf Lenschow, Nomos-Verlag, 2006.

>>> PDF-Version

 

     
    © Europolis | Powered by AB-Agentur-Berlin - Webdesign