„We the people“

Die von der bekannten Historikerin Jill Lepore verfasste Geschichte der amerikanischen Verfassung erscheint zum rechten Zeitpunkt. Angesichts einer Außenpolitik des amerikanischen Präsidenten, die keine normativen Grenzen kennt und einer Innenpolitik, die sich um juristische Maßstäbe der eigenen Verfassung wenig schert (insbesondere bei der Ausweisung von illegalen Migranten) steht die amerikanische Verfassung vor einer Bewährungsprobe. Denn die amerikanische Regierung – so sie nicht ihrer Machttrunkenheit und an der mangelnden intellektuellen Disziplin des Präsidenten scheitert – erfährt gerade eine faktische Änderung:

Mr Trump führt sich auf, als ob es bereits eine Verfassungsergänzung gegeben habe, wonach dem Präsidenten alles erlaubt sei. Die amerikanische Revolution mit der von Jefferson formulierten Verfassung, hoch gelobt von Hannah Arendt in einem ihrer Werke steht angesichts des kulturrevolutionären Kreuzzugs der amerikanischen Regierung vor einer besonderen Herausforderung: Wird das System der Gewaltenteilung, das die Gründungsväter Amerikas im Auge hatten, Donald Trump und seine Mitstreiter überleben? (Weiterlesen …)

Leuchtturm der Einsicht

Fragen der Sicherheits- und Militärpolitik verlangen nach Ernsthaftigkeit. Indessen ist in der modernen Mediengesellschaft dieses Thema – trotz der bedrohlichen Realität in der Ukraine und der schrecklichen Operationen im Nahen Osten – in die Talkshows abgewandert. Dort geben von Medien ernannte, zum Teil selbstreferentielle Experten ihre Meinungen ab. Im Wesentlichen betreiben diese „Experten“ ihre Selbstvermarktung, ohne sich für erkenntnisorientierte politische Willensbildung zu interessieren.

Die Untersuchung von Matthias Uhl über die wirtschaftliche und militärische Stärke Russlands ist genau das Gegenteil. Der Autor kann mit intimen Kenntnissen zu Russland aufwarten, belegt durch einen jahrelangen Aufenthalt und die Einsicht in der für die Öffentlichkeit unzugängliche, überwiegend russischsprachige Quellen. (Weiterlesen …)

Der europäische Amerikaner

Angesichts der offenen Verachtung der gegenwärtigen amerikanischen Regierung für europäische Kultur und Zivilisation suchen die Transatlantiker händeringend nach Rettungsankern für den Dialog zwischen Europa und Amerika. Historisch gesehen bleibt Amerika trotz des Vulgo-Imperialismus von Donald Trump natürlich ein Off shot Europas. Es waren Europäer unterschiedlicher Nationen, die die neue Welt unter sich aufgeteilt haben und die westliche Zivilisation durch diese Eroberung zu einem Weltstandard machten. Dies kann auch der faktenrobuste gegenwärtige amerikanische Präsident schwerlich leugnen. (Weiterlesen …)

Die Flucht aus Gutenbergs Buchstaben in die Oberflächlichkeit der Bilder?

Dass die Leseaktivität und -bereitschaft der Menschheit trotz eines einmalig hohen Alphabetisierungsgrades seit Jahren zurückgeht, ist nichts Neues. Den Gründen hierfür nachzugehen und sie zu erforschen, macht sich der Medienwissenschaftler Christoph Engemann in seinem Essay über „ Die Zukunft des Lesens“ zur Aufgabe. Während „früher“ die Lektüre eines Buches ein zeitaufwendiges Insichgehen an einen ruhigen Platz oder den Gang in eine Bibliothek erforderte, wo das in einem Buch gesammelte Wissen materiell verankert war, reicht heute ein Klick, um nicht nur gewünschte Antworten auf einfache und komplizierte Fragen aus dem Internet zu erhalten, sondern auch von den Suchmaschinen der Hightech-Giganten Anregungen zu erhalten, auf welche Webseite man sich bewegen solle, um sein „Wissen“ zu vertiefen. (Weiterlesen …)

 

Stabilitätsauftrag und Bundesbankautonomie

Gelegentlich der Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf für das Amt der Bundesverfassungsrichterin war die öffentliche Debatte über die Eignung der Kandidatin dadurch angeheizt und zum Teil entstellt worden, dass von einem  „Plagiatsjäger“ die Behauptung aufgestellt wurde, die Dissertation von Brosius-Gersdorf beruhe auf den Gedanken ihres Ehemanns. Dieser hatte nach der Promotion seiner Gattin eine Studie zur verfassungsrechtlichen Legitimation der wirtschaftlichen Betätigung der öffentlichen Hand eingereicht. Die von dem „Plagiatsjäger“ erhobenen Vorwürfe sollen an dieser Stelle weder untersucht noch gewürdigt werden. Es ist schon für sich genommen erstaunlich, welche Wellen in der Öffentlichkeit die Behauptung selbsternannter Qualitätsskontrolleure mit einschlägigen politischen Überzeugungen schlagen können, ohne dass die Betroffenen sich hiergegen zu wehren vermögen. Da die Reputation das Kostbarste ist, worüber ein Wissenschaftler verfügt, sind anhaltende Schäden auch dann unvermeidbar, wenn im Nachhinein alle Vorwürfe entkräftet werden. (Weiterlesen …)

Can Europe Survive?

David Marsh‘s inspiring book on Europe’s past and future considers a serious, indeed profound question. Consequently it deserves diligent, insightful perusal and scrutiny rather than ritual endorsement by establishment figures.

In the 1970s, the French political philosopher Julien Freund – alumnus of Raymond Aron and admirer of Carl Schmitt – made a striking prognosis in his book on decadence. According to his penetrating analysis, Europe was on the path of decline but that path would not be inevitable, if courageous  statesmen confronted and reversed the trend.

David Marsh in his most recent book raises the same fundamental questions and guides the reader of his sophisticated prose  through the post-1989 history of the continent. He is well positioned for such a historic review followed by some thought provoking proposals to enhance European ”resilience”. His network of interviewees comprises an impressive number of experts and statesmen who contribute their insights to the text. Some, perhaps superfluously, also add personal endorsements to David Marsh’s great publication. (Weiterlesen …)

Neuer Aufguss für alte Ideen

Der neugierige Leser schlägt ein Buch auf, das im Untertitel verspricht, zu erklären: „Wie das Kapital die Demokratie zerstört“ und findet gleichwohl keine Erfüllung dieses Versprechens nach der Lektüre von nahezu 500 Seiten. Die Autorin, eine ökonomisch gebildete Journalistin mit erheblichem Öffentlichkeitsecho, macht sich zunächst daran, die unterschiedlichen Kapitalismuskonzepte zu untersuchen und dabei zwischen den radikal-liberalen Konzepten von Hayek und dem Interventionskapitalismus seines Antipoden Keynes zu unterscheiden. Eine tiefgehende Auseinandersetzung mit diesen beiden Matadoren und ihren Thesen sucht man indessen vergebens. Stattdessen findet eine Abrechnung statt. Diese Abrechnung verharrt in der für radikal Linke häufig und anzutreffenden Gut und Böse-Diktion: Einerseits Großunternehmen und Kapital(täter) andererseits Arbeitnehmer (Opfer). Ob die Autorin sich den Anteil der Sozialabgaben im deutschen Bundeshaushalt 2026 einmal angeschaut hat, dürfte zu bezweifeln sein. (Weiterlesen …)

Souveränes Deutschland?

Auch in der Neuauflage seiner Streitschrift „Nationale Interessen“ ist sich Klaus von Dohnanyi treu geblieben: Er widerspricht dem strategielosen Establishment unseres Landes

Dass ein Mitglied der DDR-Kultur-Establishment und notorischer Russland-Versteher wie Friedrich Dieckmann das Buch von Klaus von Dohnanyi dem Verfasser dieser Zeilen wiederholt zur Lektüre empfohlen hat, ist kein Grund, mit Vorurteilen an die Analyse des mit einem neuen, umfangreichen Vorwort versehenen Textes der Zweitauflage heranzugehen. Im Übrigen dürfte der Autor des Buches – Jahrgang 1928 und in vielen öffentlichen Ämtern erprobt – jenseits des Verdachtes stehen, im Ukrainekonflikt für irgendeine Seite Lobbyist zu sein. Der Text, insbesondere das neue Vorwort der Streitschrift, hat den Vorteil, mit einer eine Reihe von unkonventionellen Fragen die deutsche Strategiedebatte zu beleben . (Weiterlesen …)

Bestandsaufnahme und Perspekive

Wenn ein renommierter Vertreter des deutschen Hochschulwesens – mit akademischen Erfahrungen in den USA und als Dekan einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie seit Jahren als Präsident einer mittelgroßen Universität – sich Gedanken über die Universitäten in Deutschland macht, so ist dies für sich genommen eine Anstrengung, die Respekt gebietet. Hans-Joachim Ewers, der ehemalige Präsident der TU Berlin,  räsonnierte bereits bei seiner Berufung über das Missverhältnis von guter Lehre und wissenschaftlicher Reputation. Er wies u.a. darauf hin, dass die wissenschaftliche Reputation von der Anzahl und Qualität der Publikationen und nicht von der Güte der Lehre abhängen würden. Obschon mehr als ein Anstoß, blieben seine Ausführungen – besonders an der TU Berlin- unbeachtet. Ewers, Das Elend der Hochschulen – Eine ökonomische Analyse der Organisation und Finanzierung deutscher Universitäten, Text der Antrittsvorlesung vom 5.6.1995 ; Diskussionspapier 1996/13. (Weiterlesen …)

 

Wir Ostpreußen – Eine ganz gewöhnliche deutsche Familiengeschichte

Nachdem Ostpreußen als deutsche Kulturlandschaft wohl unwiederbringlich verloren ist und die Erinnerung hieran sofort den Soupcon des Rechtsradikalismus hervorruft, ist es wohltuend, wenn ein renommierter Journalist – ehemals Parlamentskorrespondet der Zeit – das Schatzkästlein seiner Familienerinnerung – hier die Erinnerungskladde seiner Großmutter – zum Anlass nimmt, um einen neuen Blick auf ein vergangenes Stück Deutschland zu werfen. Dabei fallen zunächst seine bedachten semantischen Richtigstellungen auf. Buchsteiner erinnert daran, dass der Begriff Ostdeutschland für die fünf neuen Bundesländer historisch und geographisch ungenau ist und die geographische Realität von Mitteldeutschland sich auch noch in Bezeichnungen wie Mitteldeutscher Rundfunk oder Mitteldeutscher Verlag manifestiert. Gut, dass ein solcher semantischer Anstoß von jemanden mit dem bildungsbürgerlichen Hintergrund des Buchautors kommt, statt derartige Richtigstellungen AfD-Politikern aus Thüringen zu überlassen. (Weiterlesen …)

Wir möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen